Autorin Corinna Stremme 

Ideen-Stifterei

"Ritter Max und der dicke Bert" von Corinna Stremme, Titelidee von Illustratorin Meike Teichmann

Ursprünglich gab es nur ein Cover mit Ritter Max und dem dicken Bert, das Meike Teichmann für die Buchmesse 2017 entworfen hatte.

Auf Facebook bekam ich Wind davon und verliebte mich in die Charaktere, in die Art des Illustrierens und fragte nach, mehr aus Spaß, ob ich die passende Geschichte schreiben sollte.

Da ich schon früher gerne nach Bild-Impulsen schrieb, war ganz schnell eine Storyline in meine Finger geflossen. 

Meike Teichmann fand den Text "wunderbar komisch" und los ging´s mit uns beiden. 

Das Ganze ist ein Heidenspaß. 

Natürlich gibt es auch eine weibliche Hauptfigur: Diese gerät in große Gefahr, als sie dem dicken Drachen Bert geopfert werden soll. Ritter Max und das Burgfräulein Marleen wollen die hirnrissige Tradition des Opferns nämlich auf keinen Fall hinnehmen und ersinnen eine List. Was sie bei diesem Abenteuer über den dicken Bert erfahren, hätten sie allerdings in ihren kühnsten Träumen nicht vermutet. 

 

Leseprobe zu "Ritter Max und der dicke Bert" 

   


"Es war einmal ein gefürchteter und wirklich dicker Drache namens Bert. Schon sein Vater Hugo war ganz schön dick und ganz schön gefürchtet gewesen. Nicht weniger Angst machend war wiederum Berts Großvater Waldemar und darüber hinaus Ur-Großvater Ferdinand. Und schon lange vor Ferdinands Geburt erzählte man sich mit vorgehaltener Hand und mit eingezogenem Kopf vom jeweils übergewichtigen Schrecken aller angrenzenden Königreiche.

Die Drachenfamilie hatte, wie ihr merkt, eine lange Tradition des Schrecken Verbreitens hinter sich und vor sich: einmal Drache, immer Drache - das versteht sich von selbst!

Nur ein kleiner Drache schlug etwas aus der Art und machte seinem Vater, dem Schrecklichen, gehörig Sorgen.

Statt ordentlich Feuer zu spucken, fand man ihn in früher Kindheit summend auf den Wiesen hinter der Schlucht, verzückt Schmetterlingen nachschauend und an Blümchen schnuppernd. 

Zu den Menschen drang davon glücklicherweise nichts."(...)  

(...) "Das Königreich lebte sozusagen im Schatten des jeweilig amtierenden Drachen, der jeden Frühling eine Jungfrau geopfert bekam.

Wenn bekannt gegeben wurde, welche Jungfrau es dieses Jahr zu sein hatte, hielt gefühlt das gesamte Königreich zeitgleich den Atem an. Und seufzte solidarisch deutlich hörbar chorisch auf, wenn der Name verlesen wurde und die eigenen Töchter glücklicherweise verschont geblieben waren.

Nur eine Familie und deren engste Vertraute schluchzten leise oder laut, je nach Familiencharakter.

Letztes Jahr hatte es beispielsweise Geschrei der lautesten Sorte gegeben, vorletztes Jahr hysterisches Schluchzen und das Jahr davor war Ritterchen Max doch noch zu klein gewesen, um sich deutlich zu erinnern. Vielleicht hatte seine Mutter auch gefunden, er wäre zu jung für die Verkündigung - das wusste er wirklich nicht mehr so genau.

Dieses Frühjahr geschah es also wie jedes Jahr: Das Volk versammelte sich nervös und zittrig vor den Toren der Burg, in der Max aufgewachsen war, und hielt gemeinschaftlich den Atem an.

„Die Opfergabe, die der dicke unbarmherzige Drache Bert dieses Mal fordert, trägt den jungfräulichen Namen: MARLEEN.“, verkündete der Onkel von Max, der jedes Jahr die unheilvolle Aufgabe hatte, dem Volk die Wahl des Drachen öffentlich bekannt zu geben. Das war kein schöner Auftrag, das könnt ihr wohl glauben! Dabei rollte er das „r“ kräftig, wie es seine Art war.

Max meinte seinen Ohren nicht trauen zu können. Doch nicht seine Marleen!? Seine beste Freundin?! Seine Spielgefährtin seit frühster Kindheit!?

Er schaute sich um und sah sie still weinend von der Familie umringt.

Und die anderen Familien stoben auseinander, als sei Marleens Familie infiziert vom sogenannten Jungfrauen-Virus, und trollten sich nach Hause - erleichtert, dass es sie dieses Frühjahr nicht getroffen hatte und in der vollen Hoffnung, nie fühlen zu müssen, was Marleens Familie jetzt durchlitt.

Ritter Max stand etwas unschlüssig in der Nähe Marleens und hatte unbewusst sein Schwert gezogen.

„Was machst du denn mit deinem Zahnstocher“, lachte sich ein altes Weib halb tot, „du tust dir noch selbst weh!“

„Von wegen Zahnstocher“, raunte Max schlecht gelaunt und stürzte auf Marleens Vater zu: „Das können wir doch nicht zulassen. Wir stellen eine Armee zusammen und geben Marleen einfach nicht raus!“, sprudelte es aus Max heraus. Marleen sah ihn hoffnungsfroh an und sprang mutig an seine Seite, wischte zwei Tränen aus den Augen und vom Gesicht und war flink wieder seine mutige Freundin. So gefiel sie ihm deutlich besser.

„Genau, was fällt dem dicken, doofen Bert eigentlich ein!? Ich muss da bei dieser hirnrissigen Tradition ja nicht mitmachen.“, sagte sie mit voller Überzeugung, hochrotem Kopf und stampfte trotzig mit dem Fuß auf. " (...)