Autorin Corinna Stremme 

Ideen-Stifterei

Trendy Andy oder wie das Alpaka nach Deutschland kam von Corinna Stremme mit Illustrationen von Sandy Thißen

Andy, das Alpaka, berichtet seinen Freunden, dem Gürteltier Gretchen und einem Tapir namens Tompte, dass es sich in den Anden zu Tode langweilt und in Europa groß rauskommen möchte. Der Tapir ist geschockt, das Gürteltier bereit, mit auf weite Reise zu gehen. 

Die Reise wird mit der wunderweichen Wolle Andys finanziert, es werden ein bis zwei Abenteuer dorthin bestanden. 
Auf dem Flug nach Deutschland freunden sich die beiden Reisenden mit einem bayrischen Eichhörnchen und einer französischen Elfe an. 

Letztere weiß von einem Wettbewerb zu berichten, der entscheiden wird, ob Trendy Andy das Zeug zu Großem hat.

  









Lese-Kostprobe: 

„Boah“, kam es langezogen hinter dem Felsvorsprung hervor.

„Boah“, wurde wiederholt, als niemand antwortete.

Wollte denn keiner auf das Geseufze reagieren?

„Boah, das ist sooo langweilig“, wiederholte jemand penetrant.

„Wwwas ist langwweilig?“, näselte Tompte, der Tapir, endlich.

„Na alles. Immer alles gleich, jeden Tag: Aufstehen, kämmen, Zähne putzen und immer dieselbe Aussicht! Das kann doch nicht alles sein“, nörgelte Andy, das Alpaka, und pustete eine Strähne aus dem Gesicht, die dort immer wieder in seine Augen fiel.

„Ich ffinde die Aussicht wunnndersön“, sprach Tompte durch die Nase und schaute sich beifallsheischend zu Gretchen, dem Gürteltier und der dritten im Bunde, um.

„Naja, wenn man es seit Kindheitstagen kennt, kann es schon langweilen“, gab sie zu und Andy bekam strahlende Augen.

„Ich will hier jedenfalls nicht jeden Morgen aufwachen. Ich will nach Europa und berühmt werden!“, erwiderte Andy mit stolz erhobenem Kopf und schaute in die Ferne, wo man ein Flugzeug starten sah.

„Berühmmmt werden? Womit denn? Du kannst doch gar nichts“, entrüstete sich Tompte und schnüffelte am Boden, „so ein Unsinnnn aber auch, Andy.“ Damit war für den Tapir das Thema beendet. Für Andy nicht, er sah mit verliebten Augen in Richtung Flughafen und schmachtete vor sich hin.

„Gretchen, du? Wenn wir das Geld zusammenkriegen, kommst du dann mit?“, fragte Andy in Richtung Gürteltier.

„Klar“, sprach Gretchen. Sie wusste, Andy würde morgen ein anderes Alpaka durchs Dorf treiben, also war das Versprechen unverfänglich. Sie mochte die verrückten Ideen von Andy und es war auf ihn Verlass: Jeden Tag gab es einen neuen Plan. So wurde es mit ihm nicht eintönig. Tompte konnte mit seiner Gleichmut schon manchmal nerven. Trotz aller Unterschiedlichkeit waren die drei seit der Krippenzeit unzertrennlich. „Gegensätze ziehen sich an!“, sagte Großmutter Gürteltier immer und wenn man die drei betrachtete, war das so etwas von wahr!!!

Drei Tage später stand Andy mit gepacktem Koffer vor Gretchens Tür und klingelte Sturm. „Piano, sachte, sachte!“, sprach Vater Gürteltier und steckte seine Nase aus dem Haus, „Willst du zu Gretchen? Die schläft noch!“

„Schläft noch? Das ist doch nicht zu fassen“, Andy trabte am Vater vorbei und baute sich entrüstet vor der blinzelnden Gretchen auf. „Ich denke, wir fliegen nach Europa, du hast ja noch gar nicht gepackt!“, blökte das Alpaka und Gretchen begriff, dass es ihm diesmal bierernst mit der Reise war.

„Ich packe immer auf die letzte Minute“, flunkerte das Gürteltiermädchen und sprang aus dem Bett. Fix packte sie ihre sieben Sachen und stand im schicken Reisedress für alle Schandtaten bereit an der Ausgangstür.

Andy dankte es ihr mit dem strahlendsten Lächeln, das er nur für ganz besondere Anlässe verwendete. Dabei schielte er verwegen durch die ins Auge fallenden Strähnen und warf sie keck lachend über die rechte Schulter.

Auf dem Weg zum Flughafen, fragte Gretchen: „Wie hast du denn unsere Tickets bezahlen können, letzte Woche warst du nach dem Frühlingsfest doch pleite. Hast du dein Sparschwein geschlachtet?“

„Da sprichst du etwas Wichtiges an“, gab Andy kleinlaut zu, „das Ticket habe ich noch gar nicht! Und Tompte, der alte Sparfuchs, äh -tapir, hat mir sein Gespartes nicht gegeben. Er würde meine Flausen im Kopf nicht noch vergrößern wollen, hat er genäselt, der alte Spaßbremser.“

„Aber Andy, ohne Geld können wir doch nicht verreisen“, antwortete Gretchen da. Als Andy in sich zusammensank und wie ein Häufchen Elend die Beine von sich streckte, ließ das Gürteltier sich neben ihm nieder und dachte nach. Und dachte nach und dachte nach.

Als Andy schon dachte, sie sei eingeschlafen, Geduld war noch nie seine Stärke, rief sie aus: „Andy! Ich hab´s! Ich hab´s, ich hab´s“, und tanzte einen wilden Gürteltiertanz, der nahezu elegant wirkte, wäre da nicht das dicke Popöchen gewesen.

„Was hast du denn, erzähl! Ich halt das nicht so lange aus-das weißt du doch!“, drängelte Andy.

„Wir verkaufen deine wunderweiche Wolle. Jetzt zahlt sich aus, dass du nicht so gerne zum Scheren gehst, weil du nicht so gerne still sitzt. Deine Wolle ist der Hit, superweich, warm, wenn es warm ist und kühl, wenn es kalt wird. Dafür legen manche Leute ein Heidengeld hin. Da müssten zwei Tickets nach Europa ohne Rückflug drin sein!“

Andy legte zwei Hufe auf Gretchens Schulter und drückte sie, dass nur so die Herzchen flogen. "